Wahrscheinlich denken Sie bei Seide an einen schönen, glänzenden, superweichen und kostbaren Stoff, der von Seidenraupen hergestellt wird. Stimmt! Aber haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie nachhaltig Seide ist? Wir von thegreenlist.nl hat für Sie nachgeforscht!
Wird Seide nachhaltig produziert?
Seide sind lange, feine Fäden, die eine Seidenraupe absondert, um einen Kokon herzustellen. Der Kokon wird durch den Leimstaub verstärkt, den die Raupe ebenfalls absondert und der dafür sorgt, dass die Fäden zusammenkleben. Wenn die Raupe mit dem Spinnen fertig ist, enthält der Kokon mindestens eintausend Meter Seidenfaden! Das klingt sehr haltbar - so viel Seide in einer Raupe! -, aber trotz der Länge der Fäden braucht man immer noch mehrere tausend Raupen, um ein Kleidungsstück aus Seide herzustellen. Normalerweise verwandelt sich die Raupe innerhalb von zwei bis drei Wochen in einen Schmetterling und zerstört dann den Kokon. Die Seidenindustrie möchte jedoch den Kokon - und damit die Seidenfäden - in seiner Gesamtheit erhalten. Deshalb werden viele Seidenraupen getötet, indem man sie in ihrem Kokon lebendig in kochendes Wasser wirft. Dadurch löst sich der Leimstaub und der Faden kann abgewickelt werden. Es gibt aber auch - leider viel weniger - Produzenten, die den Schmetterling verschonen und aus den zerbrochenen Kokons Seide herstellen, sogenannte Friedensseide (Friedensseide). Dies ist jedoch viel mehr Arbeit, da der Seidenfaden dann aus vielen kurzen Enden gesponnen werden muss.


Seidenraupen und Seidenproduktion.
Friedensseide
An diesem Punkt meiner Nachforschungen über die Nachhaltigkeit von Seide dachte ich: ‘Ach, so einfach ist das! Wir werden einfach nur Friedensseide kaufen!’ Leider stellt sich heraus, dass es nicht so einfach ist. Derzeit ist das Angebot an Friedensseide noch sehr gering. Außerdem gibt es keine Zertifizierungsorganisationen, die Kontrollen durchführen, so dass es keine Möglichkeit gibt, zu überprüfen, ob Unternehmen, die sagen, dass sie Friedensseide zu verkaufen, dies auch tatsächlich tun. Von BWC Indien Forschung zeigt, dass Unternehmen ihre Produkte regelmäßig als Friedensseide bezeichnen, obwohl sie lediglich ihre Seidenraupen töten. Außerdem ist es fraglich, ob es für die Raupen so schön ist, am Leben zu bleiben. Die am häufigsten verwendete Seidenraupe (Bombyx mori) wird so gezüchtet, dass er wegen seines riesigen Körpers nicht fliegen kann und wegen seines unförmigen Mundes Schwierigkeiten beim Essen hat. Nicht so nachhaltig, diese Friedensseite also.
Bio-Seide
Was ist mit Bio-Seide? Ist das nicht eine nachhaltige Lösung? In der Tat, es gibt GOTS-zertifizierte Bio-Seide. Dabei geht es vor allem um den ökologischen Anbau von Maulbeerbäumen, deren Blätter von Seidenraupen gefressen werden. Die GOTS-Zertifizierung bezieht sich aber auch auf den Produktionsprozess: Während des gesamten Herstellungsprozesses eines Produkts mit GOTS-Siegel wird nach höchsten ökologischen und sozialen Standards gearbeitet. Das hört sich gut an im Sinne der Nachhaltigkeit! Leider ist auch der Anteil an Bio-Seide noch sehr gering. Und bei Bio-Seide wird das Tierwohl nicht berücksichtigt. Es ist nicht klar, ob Seidenraupen Schmerzen empfinden können, aber es gibt mehrere Studien, die zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit dafür recht hoch ist.
Negative Auswirkungen auf die Welt
Seide ist einer der umweltschädlichsten Stoffe, so die Milieu Centraal. Dies ist teilweise auf den hohen Energie- und Wasserverbrauch beim Anbau von Maulbeerbäumen zurückzuführen. Die Seidenproduktion hat aber auch negative Auswirkungen auf die Arbeitnehmer. Zum Beispiel, laut Untersuchung von Human Rights Watch dass bei der Herstellung von Seide in Indien häufig Kinderarbeit eingesetzt wird. Außerdem ist die Arbeit schwer und gefährlich. Nicht gerade nachhaltig, mit anderen Worten.


Vom Rohmaterial zum Seidenstoff.
Nachhaltige Alternativen zu Seide
Seide ist einer der am wenigsten nachhaltigen Stoffe überhaupt. Glücklicherweise werden immer mehr nachhaltige, umweltfreundliche Alternativen entwickelt, wie Lyocell/Tencel, Modal, Seiden-Baumwolle und Bambus. Sie können aber auch Satin als Alternative verwenden. Satin ist kein Material, sondern eine Webmethode, die Sie auf verschiedene Stoffe anwenden können. Es fühlt sich so weich an wie Seide, hat aber keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt! Wenn Sie mehr über Materialien wissen möchten, lesen Sie diesen Artikel.
Wollen Sie wirklich etwas aus Seide kaufen? Dann wählen Sie Bio-Friedensseide mit GOTS-Zertifizierung. Oder kaufen Sie sie in einem Second-Hand-Laden. Das schont sowohl Ihren Geldbeutel als auch die Umwelt!
Weitere nachhaltige Tipps von thegreenlist.nl
- Ist Baumwolle wirklich so nachhaltig? Lesen Sie alles darüber.
- Ist Bambus eine nachhaltige Alternative zu Baumwolle? Sie können ihn hier lesen.
- Ist veganes Leder eine nachhaltige und tierfreundliche Alternative? Das haben wir auch für Sie herausgefunden.
Quellen: Ecotex, Niederländische Vereinigung für Veganismus, JAN, ModeVereinigt. Bildnachweis: Hauptbild: Julie Aagaard (Pexels), Fotos Seidenraupen und Produktion: Quang Nguyen Vinh (Pexels), Stoffe: Jan Canthy (Unsplash).



